15 Jahre Wikipedia - Facts, Anekdoten, U-Ideen

Vor 15 Jahren ging Wikipedia zum ersten Mal online, mit der Vision, dass die ganze Menschheit ihr Wissen teilen kann und gratis Zugang dazu hat.

Im Blogartikel gibt es Fakten und Anekdoten zur freien Enzyklopädie. Daneben werden verschiedene Möglichkeiten aufgezeigt, wie Wikipedia in der Schule genutzt werden kann und wo es Sinn macht, eine Alternative zu verwenden.

Fakten zur freien Enzyklopädie

Jimmy Wales - Quelle: Collage SRF
Jimmy Wales - Quelle: Collage SRF

Jimmy Wales, Gründer der Wikipedia, war alles andere als erfolgreich, bevor er 2001 die Wikipedia online stellte. So fiel er mit verschiedenen Projekten (einer Suchmaschine, einem Bestelldienst für Restaurants und einer nicht jugendfreien Webseite) ziemlich auf die Nase. Heute ist Wales stolz auf seine Misserfolge und bemerkt dazu: "Es braucht immer auch Fehler, um am Schluss erfolgreich zu werden."

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Der Erfolg ist nun seit Jahren da: Wikipedia gehört neben Facebook, YouTube und Google zu den ganz Grossen im Netz. In der Schweiz liegt die Seite auf Rang 5. Dies ist insofern beachtlich, als dass Wikipedia als nicht kommerzielles Unternehmen agiert.

Die deutsche Sprachversion von Wikipedia ist mit 2 Millionen Artikeln eine der wichtigsten und liegt auf Rang 3. Die beiden vorderen Ränge belegen die schwedische Version und selbstredend auf Rang 1 die englische Version. 35 Millionen Einträge ergeben alle Sprachversionen zusammen. 80'000 Freiwillige tragen regelmässig zur Wikipedia in mittlerweile 291 Sprachenversionen bei und schreiben Artikel.

 

Tagesschau vom 15. Januar 2016 (1:46 Min):


Wikipedia clever nutzen

Wikipedia lässt sich auf vielfältige Arten clever nutzen. Nando Stöcklin hat dazu ein ganzes Buch geschrieben, das in der Mediothek Sternmatt 2 ausleihbar ist.

Besonders hervorzuheben und wenig bekannt ist Wikipedia zur legalen Bilder- und Textsuche oder als Übersetzungshilfe von Fachbegriffen. Daneben zeigen sich jedoch auch etliche Fallstricke: Wikipedia ist vor Vandalismus und Manipulationen nicht gefeit, v. a. bei Nischenthemen. Wikipedia als Unterrichtsthema ist aber gerade deshalb ein wunderbares Lehrstück zu den Themen Urheberrecht, Plagiate und Medienkompetenz - oder wie im Buch beschrieben: "Kompetent mit Informationen umgehen heisst, unter anderem Informationen finden, bewerten und sinnvoll nutzen können. Die Ansprüche an die Informationskompetenz sind heute deutlich höher als noch vor dem Internet, vor allem ist das Bewerten von Informationen viel wichtiger geworden..." (Stöcklin, Orell-Füssli 2010, S. 140)

 

Wie glaubwürdig die Einträge von Wikipedia in der Gesellschaft allgemein gelten, zeigt folgende Anekdote: David Spargo, ein grosser Fan von Peking Duk, einer australischen Band, fälschte kurzerhand vor Konzertbeginn via Smartphone einen Wikipedia-Eintrag, um in den Backstagebereich und damit zur Band zu gelangen. Der Security konnte der Fan mit seinem plumpen Eintrag und einem Personalausweis glaubhaft klarmachen, dass er der Bruder eines Bandmitgliedes sei.

Die Band nahm die Sicherheitslücke gelassen und beglückwünschte den Fan via Twitter und Facebook zu seinem Husarenstück. Der wiederum bedankte sich via Facebook für einen tollen Abend. "Vertraut niemals Wikipedia“, kommentierte Bandmitglied Adam Hyde den Fall mit einem Augenzwinkern gegenüber dem Guardian.

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Wikipedia im Unterricht

Wikipedia hat gleich selber intereressante Informationen über dessen Nutzung erstellt.

Für Schüler, für Lehrer oder allgemein für den Einsatz im Unterricht.

Ein Blick hinein lohnt sich!

Unsere Schülerinnen und Schüler sind ja oft nur schwer davon abzuhalten, Wikipedia als einzige Quelle für ihre Vorträge zu nutzen. Dass dieses Vorgehen von jeder Lehrperson sofort durchschaut wird, verwundert die Schülerinnen und Schüler trotzdem jedes Mal von Neuem. Wikipedia mag für einen ersten Themenüberblick eine gute Möglichkeit sein, bei den meisten Themen sind andere Quellen hilfreicher. Es empfiehlt sich, den Schülerinnen und Schülern Alternativen schmackhaft zu machen. Gerade für schwächere SuS lohnt sich zum Beispiel der Besuch einer Kindersuchmaschine, auch wenn sich die Jugendlichen häufig an der Bezeichnung "Kinder" stören. Die Treffer dieser Maschinen und deren Inhalte sind jedoch weit verständlicher als die häufig mit Fremdwörtern und Fachbegriffen ausgestatteten Wikipedia-Einträge. 


Unterrichtsvorschlag 1 - Recherchen verschiedener Quellen vergleichen

Die SuS recherchieren nach denselben Themen. Eine Gruppe verwendet ausschliesslich Wikipedia, drei Gruppen wählen je eine Kindersuchmaschine, eine Gruppe verwendet ausschliesslich Printmedien der Mediothek. Nach 20 Minuten werden die Resultate präsentiert und verglichen. Welche Informationen stimmen überein, welche sind unterschiedlich? Warum? Welche Suche hat zum besten Ergebnis geführt? Wo waren die Infos am verständlichsten? Wozu eignet sich welche Quelle am besten?

Beispielthemen:

Vulkane / Diabetes / Geschichte der Evolution / Wirtschaftskreislauf / Magellan

 

Empfehlenswerte Kindersuchmaschinen für diese Rechercheaufgabe:



Unterrichtsvorschlag 2 - das Wikipedia-Game

Auf der Wikipedia rumsurfen, geschickt kombinieren, in Spielfieber ausbrechen und dabei erst noch ein hilfreiches Lesetraining absolvieren?

Genau diese Qualitäten hat das Wikipedia-Game. Alle Infos dazu im Dokument.

Download
Wikipedia-Game
wikipediagame_2016.pdf
Adobe Acrobat Dokument 273.6 KB

Unterrichtsvorschlag 3 - selber einen Wikipedia-Eintrag erstellen

Wie die Zusammenarbeit in einem Wiki funktioniert, kann am besten mit einem eigenen Artikel erfahren werden. Eine wunderbare Gelegenheit, das Thema  Urheberrechte ins Zentrum zu rücken und auf die verschiedenen Möglichkeiten, Ideen zu teilen oder zusammenzuarbeiten, hinzuweisen. Dies will auch der folgende Film (in Englisch) aufzeigen:

Vorgehen:
Nachdem ein Thema gefunden und eine Registrierung vorgenommen worden ist, wird eine Struktur entwickelt und zu den aufgeteilten Inhalten im Internet oder in Printmedien recherchiert. Dabei sollten sich die SuS gegenseitig unterstützen und die Quellenangaben bzw. die Urheberrechte genau prüfen. Vorsicht bei der Verwendung von urheberrechtlich geschützten Inhalten! Eine gute Möglichkeit ist auch, die Bilder/Inhalte selber herzustellen.

Abschluss der Einheit ist die Veröffentlichung, Verlinkung und Überprüfung des Artikels über mehrere Wochen. Es soll beobachtet werden, ob der Artikel von anderer Seite geändert wird und/oder ob sich eine Anpassung aufdrängt. Je nach Thema merken die SuS dabei, dass das Unterhalten eines solchen Artikels arbeitsintensiv sein kann. Diese Beobachtung lässt sich mit dem Unterhalten diverser anderer Tools in Social Media vergleichen und bietet interessanten Diskussionsstoff darüber,  wie viel Zeit und Energie es braucht, sich und seine Interessen oder ein Geschäft/Produkt im Internet präsent zu halten und marketingmässig zu verwalten.

 

Und hier noch ein Tipp für die Primarschule:

Für Schülerinnen und Schüler ab der 2. Klasse gibt es übrigens Kidipedia

Um zu verstehen, wie ein Wiki funktioniert, können Schülerinnen und Schüler auch bei Kidipedia selber Beiträge einstellen.

Genauere Infos dazu


Wikipedia als Kunstobjekt

Quelle: Screenshot - Listen to Wikipedia
Quelle: Screenshot - Listen to Wikipedia

Um die Dynamik anschaulich zu machen, mit der all die freiwilligen Autoren das Lexikon stetig weiter ergänzen, haben die beiden Wikipedia-Enthusiasten Mahmud Haschemi und Steve LaPorte ihre Website Listen to Wikipedia programmiert. Sie stellt anhand unterschiedlicher Klänge sämtliche Änderungen an der Wikipedia in Echtzeit dar.

Hohe Töne stehen dabei für kleine Änderungen, tiefe Töne für grosse. Ein Glockenton erklingt, wenn ein Beitrag erweitert, ein Saitenton wenn einer gekürzt wird. Und jedes Mal, wenn die Wikipedia-Familie Zuwachs durch ein neues Mitglied bekommt, ertönt ein majestätischer Streicher-Akkord.

Weitere Infos dazu

Quelle:  print Wikipedia
Quelle: print Wikipedia

Michael Mandiberg, ein US-Dozent an der Uni New York, wollte die Grösse von Wikipedia veranschaulichen und hat im Juni 2015 sozusagen als Kunstinstallation die ganze englischsprachige Wikipedia ausgedruckt und in Büchern gebunden. 7600 Bände umfasst das Werk und ist damit etwa gleich gross wie alle Medien der Mediothek Sternmatt 2.

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