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Fakten checken

Kinder in Käfigen, Bilder von massiver Gewalt: Nach dem Angriff der radikalislamischen Hamas in Israel verbreiten sich verstörende Videos und Bilder in sozialen Netzwerken wie Tiktok. Der Konsum dieser Bilder lähmt und verunsichert. Wie können wir unsere Schülerinnen und Schüler dabei unterstützen, Fakten zu überprüfen, Propaganda und Desinformation zu erkennen?
Mögliche Ideen dazu im Blogbeitrag.

Schreckensbilder auf Tiktok

Woher die Videos und Bilder plötzlich kommen, ist den Jugendlichen meist nicht klar. Nur wenige verfolgen aktiv das Kriegsgeschehen mit entsprechenden Hashtags. Trotzdem tauchen plötzlich Videos voller Grausamkeiten in ihren Feeds auf.

 

Tatsache ist, dass Menschen in unsicheren Zeiten sehr empfänglich für schockierende Informationen sind. Besonders problematisch ist dies für Jugendliche und Kinder. Sie werden z.B. über Tiktok völlig unvorbereitet mit schrecklichen Kriegsbildern konfrontiert und trauen sich oft nicht, mit Erwachsenen darüber zu sprechen, weil sie befürchten, dass dies Auswirkungen auf ihren Social-Media-Konsum haben könnte, auf den sie nicht verzichten wollen.

Ganz unbegründet sind diese Befürchtungen der Jugendlichen nicht. Auch die Erwachsenen fühlen sich mit der Situation überfordert. Oft wird als einzige Massnahme ein Handyverbot oder das Löschen der entsprechenden App ins Auge gefasst.

«Ich habe schon oft erschreckende Kriegsvideos auf Tiktok gesehen. Das verunsichert mich, aber ich sage das niemandem.»

Schüler, 2. Oberstufe

Weit sinnvoller wäre natürlich, auf die Ängste der Teenager einzugehen, ihnen die Hintergründe zu Propaganda und Desinformation aufzuzeigen und gemeinsam Fakten zu checken.

«Wenn ich weiss, wie oder wo ich Bilder oder Nachrichten überprüfen kann, gibt mir das mehr Sicherheit. Nicht alle meinen es gut im Internet.»

Schülerin, 3. Oberstufe

Tatsächlich werden Nachrichten, Bilder und Videos nicht nur mit guten Absichten geteilt. Oft sollen sie Ängste schüren, verunsichern und Menschen dazu verleiten, alles ungeprüft weiterzuschicken.

 

Der Blick auf seriöse Nachrichtenportale hilft, nur schon mal zu verstehen, was auf der Welt los ist. Besonders empfehlenswert sind dabei auf Kinder zugeschnittene Angebote, wie z.B. Logo:

Seriöse Medienportale unterscheiden in ihrer Berichterstattung, welche Aspekte nur vermutet werden und welche mit Fakten belegt sind. Beispiel Tagesschau SRF

Bericht Tagesschau SRF zum Raketenangriff im Gazastreifen 18.10.23



Einzelne Ereignisse lassen sich überprüfen:

Beispiel Raketenangriff

Am Dienstagabend, 17. Oktober 2023 kommt es zu einem erneuten Raketenangriff im Gazastreifen. Getroffen wird ein Spital. Der Parkplatz davor zeigt anderntags ein Bild des Grauens. Die Meldungen in den Medien überschlagen sich und verbreiten insbesondere auf Sozialen Netzwerken ungeprüfte Fakten zur Schuldfrage. 

Der Faktencheck von Mimikama hilft:



Wie können einzelne Bilder auf Echtheit überprüft werden? So gehst du vor:

Ist das erhaltene Bild/Video echt?

1. Quelle prüfen

Finde heraus, wer das Video geschickt hat und wie seriös diese Quelle ist.

Merke: Seriöse Quellen beleuchten verschiedene Perspektiven und geben bekannt, ob es sich um Vermutungen oder Fakten handelt. Ein Team von Spezialisten überprüft Fakten und Bilder vor der Veröffentlichung. 

2. Faktenprüfungs-Websites abchecken

Ist das Video/Bild bzw. die Nachricht bereits erwähnt?

Hier kannst du nachschauen:

Im Zusammenhang mit dem Angriff der Hamas findest du hier einen hilfreichen Beitrag des ARD-Tagesschau-Faktenfinders

Dieses Bild tauchte bereits 2015 auf
Dieses Bild tauchte bereits 2015 auf

3. Umgekehrte Bildersuche
Speichere das erhaltene Bild oder einen Screenshot aus einem Video auf deinem Gerät ab. Lade dieses anschliessend z.B. auf  Google Bildersuche hoch und finde heraus, ob und wo das Bild bereits im Netz aufgetaucht ist. Das gibt Hinweise dazu, ob das Bild überhaupt mit dem Ereignis zusammenhängt. 
Am Handy eignet sich für die umgekehrte Bildersuche Tineye besonders gut. 

Fotomontage - Quelle: Pixabay
Fotomontage - Quelle: Pixabay

4. Profitipp: Abgleichen
Ist der Aufnahmeort des Bildes oder zumindest das Entstehungsdatum geklärt, kann ein Wetterabgleich mit WolframAlpha helfen. Auch eine Google-Streetview-Abfrage kann zeigen, ob der Ort tatsächlich so aussieht wie auf dem Bild.

«Das Überprüfen einer Nachricht oder eines Bildes ist eine Detektivarbeit. Vielleicht gibt es dank KI bald einfachere Möglichkeiten.»

Schülerin, 3. Oberstufe



Merkmale, an denen man Falschinformationen erkennen kann:

Falschnachrichten aufdecken

1.      

  1. Übertriebene, emotionale Sprache, die eine starke Reaktion bei dir auslösen soll, z.B. Angst machen
  2. Einseitige Darstellung
  3. Manipulierte Bilder oder Videos, Medienmaterialien, die gar nicht vom Ereignis stammen oder aus dem Kontext gerissen sind
  4. Zweifelhafte/unklare Quellen, die sich nicht überprüfen lassen
 


Warum sollten solche Bilder und Videos nicht ungeprüft weitergeleitet werden?

Überdenke emotional aufgeladene Informationen, bevor du diese jemandem weiterschickst, sonst hilfst du mit, Desinformation und Propaganda zu verbreiten. Besser du zeigst anderen, wie man selber Fakten checken kann und bleibst grundsätzlich misstrauisch gegenüber emotional aufgeladener Nachrichten, Bildern und Videos.



Welche Rolle spielt die Künstliche Intelligenz?

Wir leben in Zeiten, in denen selbst in der Schweiz dreiste Politiker Künstliche Intelligenz für ihre Wahlpropaganda nutzen. So geschehen bei den eidgenössischen Wahlen im Herbst 2023. Details siehe hier

 

Was bedeutet das für Userinnen und User?Auch wenn das oben erwähnte KI-generierte Video wieder gelöscht werden musste,  wird klar, wie mächtig Künstliche Intelligenz ist und welchen Einfluss diese auf künftige politische Entscheide haben könnte. Eine fundierte Medienkompetenz ist daher elementar.  Das bedeutet, auch über aktuelle Tools Bescheid zu wissen.

 

Viele der neusten KI-Tools sind für alle zugänglich und benötigen nur wenig Ausgangsmaterial, um ein KI-generiertes Produkt zu erstellen. 

Beispiel: Bei ElevenLabs reichen 40 Sekunden Aufnahme aus, um eine gewünschte Stimme künstlich zu erzeugen.

Bildgenerator StableDiffusion liefert innert Minuten ansprechende Resultate (siehe Titelbild dieses Blogbeitrages).  Je besser die Eingaben, sogenannte Prompts, desto besser das Resultat. Das lässt sich üben und trainieren.

Das Tool HeyGen schafft es innert Kürze, Videos in Wort und Bild in verschiedenen Sprachen auszugeben.

Die Entwicklung weiterer KI-Tools für die breite Masse schreitet unaufhaltsam voran.  Die Kombination verschiedener neuer KI-Tools wird nicht nur die Filmbranche drastisch verändern, sondern auch eine Flut von Deepfakes ermöglichen.

 

«Ich habe schon einige Bilder mit dem KI-Tool Midjourney erstellt. Die Resultate überzeugen voll »

Schüler, 3. Oberstufe

Übrigens:

Seit dem 1. September 2023 gilt in der Schweiz der Straftatbestand des Identitätsmissbrauchs



Woran erkennt man KI-Bilder?

Wer kennt es nicht: Das Bild von Papst Franziskus ging im Frühling 2023 viral.

Erstellt mit einer frühen Version von Midjourney lassen sich besonders bei den Händen oder Ohren einige Mängel erkennen.

Tipp 1:

Heranzoomen und Details insbesondere am Bildrand genau betrachten. KI-Bildgeneratoren fokussieren meist auf die Bildmitte. Ein überzähliger Finger ist daher nicht selten.

Tipp 2: 

Stimmen die Proportionen? (z.B. zu lange Finger)

Tipp 3:

Ein gezielter Blick auf verschmelzende Übergänge z.B. am Hals oder bei der Brille weisen ebenfalls auf KI hin.

generiert mit KI
generiert mit KI


Ideen für den Unterricht auf der OS

  • SuS haben institutionalisiert im Klassenverband die Möglichkeit, Bilder/Nachrichten, die sie erhalten haben, gemeinsam einem Faktencheck zu unterziehen und den Umgang damit zu besprechen
  • SuS erstellen eine Infografik mit Canva zur Erkennung von Falschnachrichten und lassen sich dabei von ChatGPT inspirieren
  • SuS erstellen einen Podcast zum Thema Propaganda/Desinformation und Fakenews und holen dazu Stimmen von anderen Jugendlichen ein. Im Gespräch geben sie Tipps zum Faktencheck
  • Jugendliche erstellen einen Insta-Post mit mehreren Bildern/Grafiken mit Tipps, wie man sich vor Propaganda/Fakenews und Desinformation schützen kann

«Ich habe gelernt, dass verschiedene Medien anders über Ereignisse berichten und nicht alle diese schlimmen Bilder zeigen. Es sind auch nicht alle Bilder echt. Mir hilft es, mit anderen darüber zu sprechen. Wenn ich schlimme Nachrichten erhalte, lösche ich sie sofort.»

Schüler, 2. Oberstufe



Angebote der Mediothek

Reservation und Auskunft in der Mediothek.

 

Ausserdem sind natürlich verschiedene Fachbücher und weitere Lehrmittel zum Thema in der Mediothek ausleihbar. 



Das Erkennen von Falschnachrichten beschränkt sich nicht auf ein einzelnes Fach, sondern stellt eine Fähigkeit dar, die auf allen Ebenen für das Leben wichtig ist.

Bezug zum Lehrplan MI 1.2

Überfachliche Kompetenzen

Entwicklungsorientierte Zugänge



Fazit

Die Kompetenz, Falschnachrichten zu erkennen, ist für Schülerinnen und Schüler unerlässlich, um kritisches Denken und Medienkompetenz zu entwickeln. Sie hilft ihnen, die Glaubwürdigkeit von Informationen zu bewerten und Desinformation oder Hoaxes zu identifizieren. Dadurch werden sie befähigt, informierte Entscheidungen zu treffen, sich vor irreführenden Inhalten zu schützen und aktiv zur Verbreitung verlässlicher Informationen beizutragen.


Für diesen Blogartikel assistierten mir folgende KI-Tools:
ChatGPT 4 (Sprachassistentin)

StableDiffusion online (Bildgenerator)

DeeplWrite (Schreibassistentin)


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