Posing - Hintergründe zum Tatort-Krimi

Kinderpornografie, Posing, Pädokriminalität und die Vermischung von Täter- und Opferrollen.

Der Münchner Tatort "Das verkaufte Lächeln" forderte mit brisanten Themen seinen Zuschauern einiges ab.

So manchen Eltern wurde wohl beim Zuschauen bewusst, dass die Stille aus dem Kinderzimmer kein Garant für eine heile Teenagerwelt sein muss. Im Gegenteil!

 

Wie realitätsnah die Geschichte tatsächlich ist und was Eltern und Schule tun können, davon berichtet dieser Blogartikel.

 

In der Folge "Das verkaufte Lächeln" stellen 14-jährige Jugendliche Bilder und Videos von sich auf einer selbst programmierten Seite ins Netz. Freiwillig und berechnend. Ihr Ziel: Sie wollen interessierte Erwachsene bewusst mit ihren Bildern, auf denen sie sexy posen (Posing) anlocken und damit fett Geld verdienen. Je intimer die Bilder und Filme, die die Männer anschauen können, desto mehr Geld müssen diese dafür bezahlen. Vom schnell verdienten Geld kaufen sich die Teenies hippe Gadgets und Markenklamotten.

 

Wissen Sie, was Ihr Kind am Computer macht? 

 

Mit diesem Satz wurde die Tatort-Folge angekündigt. Tatsächlich sind sich viele Eltern nicht bewusst, was hinter verschlossenen Kinderzimmertüren so alles abgeht.

Der Reality-Check des Bayrischen Rundfunks gibt Einblick in Abgründe und lässt aufhorchen.

 

Gibt es wirklich Jugendliche, die sich im Netz anbieten, wie es im Film beschrieben wird?

"Ja, so etwas existiert tatsächlich", weiss Gaby Goebels-Andreas, Kriminalkommissarin aus Hessen. "Obwohl die Geschichte in diesem Fall fiktiv ist, lassen sich ähnliche Fälle auch in Deutschland finden. Es gibt zum Beispiel Websites, auf denen Jugendliche nicht nur monatliche Abos mit Zugängen zu intimen Fotos, sondern auch Services wie das Versenden von getragenen Slips anbieten. Genau wie im Tatort-Fall nutzen Jugendliche auch Wunschlisten bei Online-Händlern zur Bezahlung ihrer sexuellen Leistungen."

 

In den USA ist der Verkauf von intimen Inhalten durch Jugendliche im Netz bereits bekannter: Die New York Times stieß bereits 2005 bei Recherchen auf fast 600 von amerikanischen Jugendlichen angebotenen Internetseiten. Die Reportage mit einem 13-Jährigen lieferte schlussendlich die Idee zur aktuellen Tatortfolge.

 

Der Film "Das verkaufte Lächeln" (abgelegt im nanoo.tv-Archiv der Oberstufe Baar) wirft viele Fragen auf und bietet damit eine spannende Grundlage, um mit Jugendlichen ins Gespräch zu kommen über

 

- die Wirkung von Bildern und Selbstdarstellungen

- den Konsumzwang und Must-haves in Peergroups

- Sexting/Posing und die gesetzlichen Grenzen

- ihre eigenen Erlebnisse im Netz

- den Umgang mit materiellen Wünschen und eingeschränkten finanziellen Möglichkeiten

...

 

Bei solchen Gelegenheiten wird schnell klar, dass die Jugendlichen engagiert eine Meinung vertreten. Nicht selten geben sie auch an, dass sie rigide Regeln z.B. für ihre kleineren Geschwister einführen würden und haben auch durchaus gute Ideen, wie diese durchzusetzen wären. Die Gespräche machen deutlich, dass viele Jugendliche im Netz bereits öfters mit Chatpartnern/Situationen/Bildern konfrontiert wurden, die sie überforderten. Und nur die wenigsten konnten dies mit jemandem ausserhalb ihrer Peergroup besprechen. Besonders die rechtliche Situation ist den meisten völlig unklar.


Machen sich die Jugendlichen strafbar?

Einmal mehr wird klar, dass das Gesetz den Möglichkeiten, die das Internet bietet und den Ideen, die jugendliche und erwachsene Nutzer aushecken, ständig hinterherrennt. Fakt ist: Wer pornografisches Material an unter 16-Jährige verschickt, macht sich strafbar. Auch wer selber noch nicht 16 Jahre alt ist. Sind die Empfänger von Softpornografie älter als 16, die Sender aber jünger, herrscht eine Gesetzeslücke. Einerseits ist den Jugendlichen die Tragweite ihres unbedarften und rein auf kommerziellen Nutzen ausgerichteten Handelns nicht bewusst. Andererseits stellen sie die Bilder im Wissen um die Wirkung online. Jugendliche sind somit Täter und Opfer gleichzeitig.

 

Auf welche Weise kommen solche Kontakte zwischen Jugendlichen und Erwachsenen zustande?

Meist läuft ein sexueller Kontakt über Chats. Scheinbar anonym tummeln sich auf einschlägigen Webseiten Krethi und Plethi. Innert Minuten kriegt Anna_12 sexuell motivierte Anfragen von Unbekannten. Denn wer sich hinter FlotterOtter verbirgt, bleibt völlig unklar. Dass nun Kinder und Jugendliche von sich aus ganz bewusst auf die Suche nach pädokriminellen Erwachsenen gehen, um damit ihr Taschengeld aufzubessern oder sich mit Markenklamotten und teuren Gadgets beschenken zu lassen, ist eine weitere Steigerung ins Negative.

 

Wie können Eltern ihre Kinder schützen?

Eltern müssen sich bewusst sein, dass das Einrichten einer Software zum Kinderschutz völlig unzureichend ist. Clevere Kids haben diese innert Minuten geknackt oder weichen auf die Computer ihrer Kumpels aus. Weit wichtiger ist, dass sie mit ihren Kindern im Gespräch bleiben, sich für das, was die Kids im Netz tun, interessieren. Wichtig sind klare Regeln zur Bildschirmnutzung - die dann auch durchgezogen werden. Nachts haben Handys beispielsweise nichts im Kinderzimmer zu suchen. Die Swisscom bietet ein E-Learning-Angebot für Eltern an, das helfen kann, geeignete Familienregeln zur Mediennutzung zu vereinbaren.

 

Auch wenn die Jugendlichen scheinbar medienkompetenter sind als ihre Eltern, fehlen ihnen oft eine vollständige Reflexion ihres Tuns und das vorausschauende Medienverhalten. Hier hätten Eltern gute Chancen, ihren Teil zur Medienerziehung beizutragen. Dazu müssen sie sich aber selber mit den Möglichkeiten, die das Internet bietet, vertraut machen und wissen, was läuft. Da sich diese Branche dauernd verändert und entwickelt ist dies besonders anspruchsvoll und beginnt schon bei immer neuen Begriffen:

 

Posing - Sexting - Grooming

Begriffserklärungen und Tipps für Eltern gibts hier.

 

Was kann die Schule tun?

 

Auch wenn die Jugendlichen unbedarfte Handlungen meistens in ihrer Freizeit tätigen - die Schule hat ganz klar die Aufgabe, die Kids mit Wissen und Knowhow auszurüsten, um im Leben bestehen zu können. Dazu gehört auch Medienkompetenz. Neben dem Aufzeigen von Gefahren, die das Internet in sich trägt, soll die Schule aber den Fokus vor allem auch auf die Chancen legen, die die digitalen Möglichkeiten bieten.

 

Beispiele:

  • Wie muss ich mich in sozialen Netzwerken präsentieren, damit ich auch beruflich Nutzen daraus ziehen kann?
  • Wo erkenne ich Filmtricks und wie stelle ich diese selber her?
  • Welche Rechte muss ich beachten, wenn ich Audio/Video-Produktionen selber veröffentliche?
  • Wann ist der Einsatz von Webseite/Blog vorteilhaft und wie mache ich das?
  • Wie komme ich mit der Informationsflut klar und finde, was ich suche?
  • Wann ist welches Medium geeignet und wann nehme ich mir medienfrei?
  • Wie kann ich ein Game selber programmieren, das Spass macht?
  • ...

Jugendliche, die eigene Produktionen hergestellt, von Grund auf gelernt und im Team erarbeitet haben und um deren Wirkung und rechtliche Zusammenhänge wissen, gehen bewusster und kompetenter mit allen Möglichkeiten, die die digitale Welt ihnen eröffnet, um. Und das ist es ja, was wir für unsere Kinder und Jugendlichen wünschen.

 

 

Weiterlesen:

 

Interviews mit den jugendlichen Schauspielern

 

FAQ - Wie schütze ich mich vor Missbrauch?

 

Artikel NZZ zur Tatortfolge

 

Pro Juventute - Sexting-Kampagne

 

Netla - Unterrichtseinheit zum Umgang mit persönlichen Daten

 

Motion zum Verbot von Posing-Bildern

 

Schau hin, was dein Kind mit Medien macht

 

E-learning-Angebot Medienzeit

 

medienfit in 30 Tagen


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Medienkompetenz im Schulalltag
2014 Jugend und Medien
medienkompetenz_broschuere.pdf
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Kommentare: 2
  • #1

    Austin Mickley (Freitag, 03 Februar 2017 13:03)


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    Randa Heppner (Sonntag, 05 Februar 2017 10:04)


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