#Thinspiration - lebensgefährlicher Schlankheitswahn

Ihre Haut schmiegt sich eng um die hervorstehenden Knochen. Die dünnen Beine können ihr Gewicht kaum halten. Immer mehr junge Frauen zeigen Beifall heischend auf leicht bekleideten Bildern in Sozialen Netzwerken, wie sehr sie sich heruntergehungert haben - ein höchst gefährlicher Trend.

 

 

 

 

 

Mit ihren Bildern wollen sie andere junge Frauen dazu inspirieren, es ihnen gleich zu tun. Unter dem Hashtag Thinspiration, der auf diversen Plattformen bereits verboten und deshalb durch weitere Bezeichnungen wie z.B. #Ana (Abk. Anorexie) ersetzt worden ist, werden die Magerbilder gesammelt und verbreitet. Doch der Trend ist mehr als gefährlich. Was als Challenge unter Mädels beginnt, entgleitet den Betroffenen mehr und mehr. Hinzu kommt, dass die Bilder nicht mehr aus dem Netz verschwinden.

 

Was ist Thinspiration? 


Magersucht 2.0. Das ist – stark vereinfacht – der Trend #Thinspiration. Der Begriff bildet sich aus thin und inspiration und wird umgangssprachlich auch als Thinspo oder Pro Ana bezeichnet.

Angespornt von Blogeinträgen, Tweeds, Kommentaren, Fotos und Likes hungern sich die Girls mit raffinierten Methoden bis zum Äussersten. Online holen sie sich Tipps von Gleichgesinnten und Idolen, wie sie ihre eiserne Kur durchhalten können und ihre Ziele, z.B. #Bikinibridge oder #Thigh Gap erreichen. Dabei muss der Bauch so flach sein, dass der Bikini über den Hüftknochen spannt und eine „Brücke“ entsteht, bzw. die erstrebten Oberschenkel sind so dünn, dass dazwischen eine Lücke zu sehen ist.

 

Den Prozess der Entstehung ihrer dünnen Körper posten die Mädels laufend reich bebildert auf verschiedenen Portalen. Häufig sind es Nacktbilder. Auf diese Weise holen sie sich Anerkennung, Bewunderung und die Motivation zum Weiterhungern.

 

Wer je in seinem Umfeld mit Magersucht in Berührung gekommen ist, weiss, welch furchtbares Monster sich dahinter verbirgt.

 

Was als scheinbar harmloses Wetteifern beginnt, entwickelt sich heimlich fortschreitend zu einer nicht mehr aufzuhaltenden Krankheit, die nicht selten mit dem Tod endet. In der Schweiz sind mit 5.3% überdurchschnittlich viele junge Mädchen davon betroffen, ein Viertel der Kranken stirbt daran. Und leider steigt die Zahl weiter an. In den letzten drei Jahren sind rund 30% mehr Fälle als in den Vorjahren bekannt geworden, auch Jungs gibt es hin und wieder. Und die Betroffenen werden immer jünger: Laut Pro Juventute sind bereits 9-Jährige dabei...

 

Der neuste Trend, sich einerseits online mit Magerbildern zu präsentieren und andererseits digital Bestätigung von Gleichgesinnten zu holen, katapultiert Essstörungen auf ein ganz neues Level. Die ständige Verfügbarkeit der anspornenden Community und damit die permanente Motivation zum Weitermachen dürfen nicht einfach hingenommen werden.

 

Thinspiration in der Schule zu thematisieren und den Teenagern die Wahrheit über Magermodels und Schönheitsidole klar zu machen, können dabei helfen, die gesellschaftlichen Fakes, die dahinter stecken, zu entlarven. Ziele der Prävention sind das Sichtbarmachen äusserer Einflüsse auf sich und andere, das Abkoppeln des Selbstbewusstseins von der Meinung anderer und damit die Stärkung des Selbstvertrauens. Daneben haben erneut Themen wie Schutz der Privatsphäre, Manipulationen von Bild und Konsument sowie das Recht am eigenen Bild ihren Platz. Jugendliche, die sich mit Bildbearbeitung auskennen, schärfen ihren Blick für gefakte Ergebnisse im Netz. Sie sind weniger schnell davon zu beeindrucken und müssen ihr Selbstvertrauen weit seltener über die Waage definieren.

 

Präventionsideen für den Unterricht

 

 

 

Ein Verdachtsfall in der Klasse/im Schulhaus/in der Familie?

 

Bis der Point-of-no-return erreicht worden und die Betroffene vollständig von der Sucht eingenommen ist, dauert es eine ganze Weile. Es bleibt also etwas Zeit, wenn das Umfeld möglichst rasch handelt und die Veränderungen direkt anspricht.

 

Dabei ist es wichtig zu wissen, dass die Mädchen nicht sehr kooperativ sind. Gespräche im familiären oder schulischen Umfeld enden mit Streit und Ablehnung. Das Nicht-wahrhaben-wollen ist das erste Anzeichen, dass die Lage ernst ist. Denn nur die Betroffene selber kann die Wendung herbeiführen und Hilfe annehmen. Ist die Krankheit zu weit fortgeschritten, geht es irgendwann darum, sich zu entscheiden - zwischen Leben oder Sterben.

 

Besonders in der ersten Phase der Krankheit kann aber die Peergroup einen entscheidenden Einfluss ausüben und gegenseitig Schutz bieten. Mädchen, die sich in einer Gruppe Gleichaltriger akzeptiert fühlen, so wie sie sind, laufen weit weniger Gefahr, in ein Suchtverhalten abzudriften und nicht mehr herauszufinden.

 

Selbstvertrauen stärken und Fakes entlarven


Die aktuelle Kampagne der Pro Juventute zielt darauf ab, die Bilder von makellosen Models und perfekten Promis oder geschönter Bilder Gleichaltriger in Sozialen Netzwerken kritisch zu hinterfragen und so den Druck, der dadurch entsteht, abzubauen.

 

 

Fakt ist: Die Ursachen von Essstörungen sind vielschichtig und von vielen Faktoren abhängig. Oft bleiben sie auch nach Jahren der Therapie im Verborgenen. Doch die Situation, sein eigenes Kind am gedeckten Tisch verhungern zu sehen, ist unbeschreiblich grausam - und jeder Fall einer zu viel.

Darum: Es ist nie zu früh, Selbstvertrauen aufzubauen und zu stärken. Ein ehrliches, aufbauendes Wort zum richtigen Zeitpunkt, das Mut macht, kann nicht zwingend eine Essstörung verhindern, ist aber ganz sicher schon mal ein guter Anfang. 

 

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X-Act Unterrichtsmaterialien zur Prävention von Essstörungen
Hintergrundinfos und Arbeitsblätter des Instituts Suchtprävention, Österreich
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Essenslust und Körperfrust
Leitfaden zur Prävention von Essstörungen in der Schule
pdf-essenslust-und-koerperfrust-leitfade
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Lebenshunger
Präventionslektionen Essstörungen
Quelle: Schön Klinik (D)
unterrichtsmaterial.pdf
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Die neuste Staffel GNTM ist gerade angelaufen. Auch deine Schülerinnen werden sich das reinziehen! Vielleicht eine gute Gelegenheit, die Hintergründe mal kritisch zu beleuchten und mit den Jugendlichen ins Gespräch zu kommen.

Jetzt stell dich nicht so an! Ein lesenswerter Beitrag im Feuilleton der FAZ von Nina Rehfeld, Phoenix, eignet sich dazu bestens. Zusätzliche Unterrichtslektion:

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Germanys Next Topmodel - Unterrichtslektion
Wo hört der Spass auf? - Eine kritische Unterrichtslektion zur bekanntesten Modelcasting-Show Deutschlands
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Castingshows
Unterrichtsmaterialien zum kritischen Hinterfragen angesagter Fernsehformate
10_filmabcmat_castingshows.pdf
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Comic Echtes Leben - be yourself
Kampagne Pro Juventute
Comic_Echtes_Leben_Kampagne_ProJuventute
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Medienauswahl zum Thema Essstörungen
ausleihbar in der Mediothek Sternmatt 2
Medienauswahl_Essstoerungen.pdf
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Prävalenz von Essstörungen in der Schweiz
Essstoerungen.pdf
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