YouNow - Selbstdarstellung in Echtzeit

Schon wieder macht ein neuer Trend unter Jugendlichen Schlagzeilen. YouNow heisst die Plattform, die Teenager in Scharen anlockt und zu unüberlegten Handlungen verführt. Das birgt nicht nur die Gefahr, dass die Jugendlichen ihr unbedarftes Tun und die Preisgabe persönlicher Informationen schon nach Kurzem arg bereuen. Zusätzlich werden auch Erwachsene mit pädokriminellen Absichten auf die Plattform aufmerksam...

Was ist YouNow?

 

YouNow ist eine Videoplattform, auf der man sich in Echtzeit dem ganzen Netz präsentiert. Gleichzeitig kann dazu mit Unbekannten gechattet werden. Via Soziale Netzwerke (Facebook, Twitter oder Google+-Kanal) kann man sich anmelden und fröhlich mittun. Die Teenager plaudern live munter drauflos, verraten völlig unbekannten Zuschauern privateste Informationen wie z.B. Natelnummern oder Adressen.

 

Je intimer die Details, die sie über sich verraten, desto mehr Likes erhalten sie dafür und desto mehr Zuschauer schalten sich zu. Nicht selten spielen die Kids sehr berechnend mit genau diesen Reizen. Da heisst es schon mal: „Bei 500 Likes ziehe ich mein Shirt aus!“. Vor laufender Cam wird im Kinderzimmer rumgetanzt, werden privateste Infos und vor allem viel nackte Haut gezeigt. Jede Aktion zeigt sofort Wirkung: Um „beliebt“ zu werden, wird schon mal schnell die Grenze der Privatsphäre aufs Gröbste überschritten. Denn so wirklich vorstellen, dass tatsächlich Hunderte von Zuschauern im Kinderzimmer mit dabei sind, das können sich die Teenies dann doch nicht.

Inzwischen sind auch besorgte Prominente dabei, die Kids aufzuklären. So warnt z.B. der unter Jugendlichen populäre Youtube-Künstler Tooncraft eindringlich in einem Youtube-Clip:  

Warum tun die Jugendlichen dies?

 

Es geht drum, die Wirkung auf andere auszutesten, den persönlichen Wettbewerb um Anerkennung und Aufmerksamkeit zu gewinnen und von anderen Beachtung und ein Feedback zu erhalten.

Das Experimentieren mit dieser Selbsterfahrung ist für die Zeit der Adoleszent zwar symptomatisch. Die unerwünschten Nebenwirkungen, die diese Plattform gleichzeitig mit sich bringt, sind allerdings höchst bedenklich. Aufklärung tut Not!

 

Eltern sind in der Regel völlig ahnungslos. Es ist deshalb sehr unwahrscheinlich, dass die Eltern des abgebildeten Jungen über dessen Aktivitäten im Netz Bescheid wissen...


Gefahren

 

YouNow hat Suchtpotenzial. Nicht nur für die Darstellerinnen und Darsteller, die gar nicht mehr aufhören können, sich selber vor der Kamera zu präsentieren. Auch die zuschauenden Jugendlichen können nicht mehr abschalten. Stundenlang schauen sie gespannt zu und warten darauf, was sich als nächstes tun wird. Es ist schier unmöglich, als YouNower gleichzeitig auch noch etwas Sinnvolles zu tun, während im Livestream über Nichtigkeiten geschwatzt wird.

 

Das Preisgeben privatester Dinge schafft Angriffsfläche. Innert weniger Minuten werden Echtnamen, Telefonnummern oder Wohnort verraten oder private Fotoalben vom Strandurlaub vor der Kamera herumgezeigt. Die YouNow-Darsteller scheinen völlig ahnungslos, dass ihre Handlungen auf fremden PCs gespeichert oder im Netz verbreitet werden können.

 

Die Plattform zieht Pädokriminelle an. Es ist nicht mal nötig, selber angemeldet oder registriert zu sein, will man nur zuschauen. Da reicht es, die Seite am Rechner aufzurufen oder die App aufs Handy runterzuladen. Schon kann man die Livestreams derjenigen Kids verfolgen, die einem gefallen. Ein Paradies für Spanner! Dies geht sogar so weit, dass im Wettkampf um Anerkennung gegen die anderen Darsteller die Wünsche der Zuschauer erfüllt werden, um ihnen etwas zu bieten. Nicht selten bitten die YouNower auch um Vorschläge, was denn dies sein soll…

 

Ein Thema für die Schule?

 

Wenn uns die Zukunft der Kinder, die unseren Unterricht besuchen, wichtig ist, dann müssen wir auch Themen und Gefahren ansprechen, mit denen die Kinder und Jugendlichen in ihrer Freizeit konfrontiert sind. Gerade die Tatsache, dass die Jugendlichen in ihrer Peergroup die meiste Zeit des Tages in der Schule verbringen, verpflichtet. Zusätzlich bietet sich hier auch die Gelegenheit, mit dieser Gruppe zu arbeiten und ihre Meinungen und Werte zu bilden. Das Aufklären über die Gefahren im Netz, die Möglichkeiten der Prävention und die Alternativen, die sich bieten, sind Kompetenzen der Medienbildung, die heute unbedingt nötig sind. Je besser die Jugendlichen darüber Bescheid wissen, je offener darüber gesprochen werden kann und je niederschwelliger sie Ansprechpersonen wissen, die ihnen im Ernstfall Hilfe vermitteln können, desto weniger werden böse Folgen zu verschmerzen sein. 


Infos zum Schutz persönlicher Daten im Netz


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Unterrichtsmaterialien Chatten ohne Risiko - Klasse 4-7
Praxistipps für die Unterrichtsgestaltung. Materialien für Lehrkräfte zum Thema Chats und Soziale Netzwerke
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9 Tipps für Jugendliche - so surft ihr sicher!
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Was können Eltern tun?

 

Vier Tipps für verantwortungsbewusste Eltern:

 

1. Darüber sprechen statt verbieten

Hinschauen und darüber reden. Eltern sollten sich für das, was die Kinder im Netz tun, interessieren und sich die Faszination, die die verschiedenen Tools und Games auf die Kinder ausüben, erklären lassen. Es geht nicht darum, sich anzubiedern, sondern zu erkennen, wo die verborgenen Gefahren lauern und welche Chancen die Tools eben auch haben. Gemeinsam einen YouNow-Kanal anschauen und im Gespräch aufzeigen, wie man sich davor schützen kann, allzu Privates preiszugeben, ist definitiv schlauer, als das YouNowen zu verbieten. Denn die verbotenen Dinge sind immer die Reizvollsten.

 

2. Nächtliche Ruhezone einhalten

Eltern, deren Kinder und Jugendliche unbemerkt stundenlang im Netz sein können, haben definitiv ihre Aufsichtspflicht nicht wahrgenommen. Zuerst ist dringend zu raten, sämtliche digitalen Geräte nachts aus den Kinderzimmern zu verbannen und diese Regel auch zu kontrollieren.  Die meisten der YouNow-Darsteller sind übrigens nachts online.

 

3. Alternativen anbieten

Ein Blick in YouNow-Kanäle zeigt schnell, wie gelangweilt die Kids und Teens im Grunde sind. Kinder, die von ihren Eltern echte Alternativen angeboten erhalten, verbringen nachweislich weniger Zeit alleine im Netz. Dabei können die digitalen Interessen der Teenager auf andere Weise umgesetzt werden: Zum Beispiel eine Schatzsuche mit Geocatching, eine Karaoke-Show mit Freunden oder das gemeinsame Bauen und Programmieren eines Lego-Roboters.

 

4. Klar definierte Bildschirmzeiten mit Verhandlungsspielraum

Wollen die Kids ihre wöchentliche Bildschirmzeit (TV, Tablet, Handy, PC, Playstation) verlängern, müssen sie eine Gegenleistung erbringen. Das kann die zusätzliche Mithilfe im Haushalt, das Ausführen des Hundes oder ein Extra-Sportprogramm sein. Am Familientisch können die Kids ihre kreativen Vorschläge einbringen.


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